Bedeutung der Tagestruktur

Die Tagesstruktur bietet verlässliche und überschaubare Zeit- und Personalstrukturen so-wie positiv zielorientierte Motivationsanlässe im Tagesablauf und vermittelt damit Sicherheit, Orientierungsfähigkeit als auch emotionale Stabilität und Wertschätzung.
Tagesstruktur ermöglicht die Entwicklung einer Erwartungshaltung und die Verbesserung des Identitätsbewusstseins über die Profilierung und Unterscheidung von Bedürfnissen.

Darüber hinaus ermöglichen spezielle Angebote die (Wieder-) Entdeckung, Entwicklung und Stabilisierung von lebenspraktischen Fähigkeiten und alltagsnahen Kenntnissen.

Jeder Mensch braucht eine Tagesstruktur. Für Menschen mit Behinderungen ist sie als zweiter Lebensraum, ergänzend zum Wohnbereich, von großer Bedeutung. Das Leistungsangebot der Tagesstruktur versteht sich als Dienstleistung, die personenzentriert und lebensweltorientiert erbracht wird.

Innerhalb der Gesamteinrichtung des ST. ANNA-HAUS werden die Tagesstrukturangebote als eigenständige Organisationseinheit geführt. Die tagesstrukturierenden Angebote sollen für alle Nutzer aus den stationären und ambulanten Bereichen offen, zugänglich und durchlässig sein.

Die Altersstruktur bezieht sich auf Erwachsene bis hin ins höhere Alter. Gerade für älter werdende Menschen wird in den nächsten Jahren ein hoher Bedarf erwartet.

Ziele

Regelmäßige und zielgerichtete tagesstrukturierende Angebote im Sinne des Leistungs-typs 24. Ziel ist die Überwindung, Linderung und Verhütung von Verschlimmerung behin-derungsbedingter Beeinträchtigungen und die Förderung der Eingliederung in die Gesellschaft insbesondere durch:

  • Schaffung einer klaren Tagesstruktur mit Förderungs- und/oder Beschäftigungscharakter
  • Förderung und Erhalt bzw. Wiedergewinnung eines Mindestmaßes an Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit in unterschiedlichen Lebensbereiche (z.B. Körperhygiene, Nahrungsaufnahme, persönliche, manuelle und kreative Fähigkeiten)
  • Erwerb und Erhalt praktischer Kenntnisse und Fähigkeiten zur Förderung der Möglichkeiten zur Gemeinschaftsteilhabe
  • Förderung und Erhalt der Kommunikationsfähigkeit
  • Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben
  • Förderung und Erhalt von Handlungskompetenz bei der Gestaltung der eigenen Freizeit
  • Förderung und Erhalt der Wahrnehmung des Lebensumfeldes
  • Förderung und Erhalt der Gesundheitsvorsorge
  • Förderung und Erhalt der Beweglichkeit und Prophylaxe von Pflegebedürftigkeit

Räumlichkeiten

Grundsätzlich stehen in unserer Kerneinheit (Wohnhaus St. Anna) separate Räumlichkeiten außerhalb des Wohngruppenbereiches zur Verfügung (siehe hierzu unsere Bauzeichnungen).
Und zwar:

  • Ergotherapieraum
  • Großer Gruppenraum mit Teeküche
  • Raucherzimmer mit Fernsehen

Im Bedarfsfalle stehen auch zwei Pflegebäder (ein Bad mit Pflegewanne und ein Bad mit behindertengerechter Dusche zur Verfügung.
Montag, Donnerstag und Freitag finden in der Regel nach der morgendlichen Ge-sprächsrunde (so genannte Morgenrunde) die tagesstrukturierenden Angebote in den oben aufgeführten – außerhalb des originären Wohnbereiches befindlichen – Räumlichkeiten statt.
Jeden Dienstag nutzen wir die Räumlichkeiten und Möglichkeiten in der Jugendfreizeitstätte „Heilige Seele“ der Stadt Brakel.
Jeden Mittwoch stehen außerhäusliche Fördermaßnahmen an. Zumeist werden die Maßnahmen im Rahmen eines Ausfluges eingebettet, geplant und durchgeführt.
In der Anlage 1 übersenden wir Ihnen den wöchentlichen Strukturplan für die tagesstruk-turierenden Maßnahmen.

Angebote am Vormittag
(9.15 – 12.45 Uhr) in der Tagesstruktur sind insbesondere:

  • Morgendliche Gesprächs- und Besprechungsrunde (täglich 9.15 – 9.45 Uhr > Ko-munikationstraining; Training des Sozialverhaltens; Regeln in der Gruppe einüben)
  • Training des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit und der Konzentration immer jeden Montag
  • Bewegung, Gymnastik und Sport immer jeden Dienstag in der Jugendfreizeitstätte
  • Gestalten mit haptischen Materialien (Ton, Kleister, Fingerfarben, etc.)
  • Gesellschaftsspiele; Rätsel lösen; Malen/Zeichnen
  • Erweiterung der Kulturtechniken >>> Lese – und Rechtschreibübungen
  • Kognitive Förderung >>> Berichte über aktuelle Ereignisse aus Fernsehen, Rundfunk und Presse; Vorlesestunde; Rechen-Rätsel; Biographie
  • Singen und Musik hören (machen); Rhythmisch-musikalische Übungen;
  • Entspannungsübungen (Entspannungsmusik; Phantasiereisen; Jacobson; autoge-nes Training) und Wahrnehmungstraining
  • Kreatives Gestalten (z.B. Dekoration anfertigen entsprechend Jahreszeit bzw. religiösen Festen)
  • Planung, Vorbereitung und thematische Gestaltung von öffentlichen und internen Festen und Feiern (Karneval, Sommerfest; Adventsfeier)
  • Kochen unter Anleitung jeden Werktag von 11.00 – 12.00 Uhr für zumeist 2 Klienten incl. Ernährungsberatung
  • Gemeinsames Mittagessen täglich 12 – 12.45 Uhr
  • Täglich 12.45 – 13.15 Uhr Küche reinigen incl. Geschirr spülen und trocknen

Angebote am Nachmittag

In der Nachmittagsrunde (Gesprächsgruppe von 14.00 bis 14.30 Uhr) werden in lockerer Runde die Eindrücke des Tages, eigene Stimmung und die weiteren eigenen Planungen sowie das zumeist offene Angebot erörtert.

Der Nachmittag unterscheidet sich inhaltlich deutlich vom Vormittagsangebot. Wir tragen der Erfahrung Rechnung, dass die Teilnehmer des LT 23 bzw. 24 nach einem am Vormittag strukturierten Ablauf mit diversen Anforderungen nunmehr Entspannungs- und Entlastungsangebote benötigen.

Gern werden daher in der Zeit von 14.30 – 15.15 Uhr zumeist begleitete Spaziergänge, Gesellschaftsspiele oder einfache Entspannungsübungen angefragt und wahrgenommen.

Andere Klienten entscheiden wiederum nach der Gesprächsrunde sich in ihre Wohngruppen zurückziehen, sei es um auf dem Zimmer Musik zu hören, zu lesen, sich hinzulegen oder eine Zigarette zu rauchen. Für sie sind weitere Anforderungen / Übungen bzw. weitere Sozialkontakte überfordernd und erzeugen Überlastungsgefühle und Stress.

Und zuletzt gibt es die dritte Gruppe von Klienten, die nach dem gemeinsamen Mittagessen den Nachmittag für sich „frei“ haben will und für die jede weitere Aktivität - sei es in der Gruppe oder auch für sich allein – eine zu große Anstrengung darstellt. Diese Klienten teilen bereits am Mittag mit, dass sie auch der Gesprächsrunde fernbleiben werden.

Weiteres

In Zusammenarbeit mit einer Praxis für Ergotherapie und Krankengymnastik in Brakel wird ein Förderangebot in der dortigen Praxis vorgehalten werden. Von Nordic Walking bis zu Übungen an Geräten soll ein vielfältiges Angebot unterbreitet werden.

Unser tagesstrukturierendes Angebot LT 24 wird für insgesamt maximal 15 Nutzer gestaltet werden können.